Die Schottengeschichte

Unser Zirkel aus dem Jahre 1852

Die Geschichte der Landsmannschaft Schottland beginnt Anfang November 1849, als einige Studenten aus Marbach am Neckar sich trafen um gemeinsam, „in compagnie“ zu kneipen. Am 19. 11.1849 beschloss man diese Treffen regelmäßig abzuhalten und der 19. November gilt seither als Gründungsdatum der Landsmannschaft Schottland; auch wenn sie noch lange nicht so hieß.

Die Schottei im Jahre 1900

Der Zweck der Gesellschaft, die inoffiziell „Marbacia“ genannt wurde in Anlehnung an die Herkunft der Gründer, war zunächst keine Verbindung im hergebrachten Sinn, sondern wollte auf der Basis der individuellen Freiheit jedes Mitgliedes die Freundschaft und Geselligkeit untereinander fördern.

Im Sommersemester 1850 verlegte man die regelmäßigen Kneipen vom „René“ in die „Schottei“. Dieses Lokal war benannt nach seinem Wirt Schott und schon bald tauchte in der Stadt und intern „die Schotten“ als Name für die Marbacher auf und man sprach von „Schottland” oder „Schottlandia“.

Zwar wurde die „Schottei“ als Kneiplokal bereits 1852 wieder aufgegeben (das Bier war fade, die Kneipe schlecht beheizt), der Name Schottland aber, der noch im selben Jahr offiziell beschlossen wurde, gilt bis heute.

In den nächsten Jahren wurden sich die Schotten immer bewusster, dass sie als freie, nichtfarbentragende Gesellschaft ohne die Organisationstruktur einer Verbindung nicht würde bestehen können.

Fuxen- und Burschenband

Die Schotten beschlossen also auf dem Convent, sich einen Zirkel und Farben zuzulegen und legten als Wahlspruch vera amicitia fructus virtutis (wahre Freundschaft ist die Frucht der Tugend) fest. Als Farben wählten sie in Anlehnung an die alten schottischen Königsfarben Blau-Rot als Farben der Gesellschaft Blau-Gold-Rot. Zirkel Farben und der Wahlspruch, heute als Motto geführt, haben sich nun seit bald 160 Jahren als Zeichen unserer Verbindung erhalten.

G. Mühlberg, "Auf die Mensur" (um 1900)

Ebenfalls in die Zeit der Mitte des 19. Jahrhunderts fallen die ersten regelmäßigen Fechtübungen als Vorbereitung auf die damals unter Studenten relativ häufigen Contrahagen, während das pflichtschlagende Prinzip erst 1878 angenommen wurde. Die erste Mensur eines Schotten fand im Wintersemester 1860/61 statt.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts, Schottland war mittlerweile seit über 40 Jahren eine etablierte Verbindung in Tübingen, setzte sich langsam das Bewusstsein durch, dass man auch als freischlagende und unabhängige Verbindung auf Dauer nicht erfolgreich würde bestehen können. Schottland begann also folgerichtig damit, sich einen Dachverband auszusuchen.

Da das Fechten mittlerweile eine wichtige Rolle spielte, lag es nahe, sich dem Dachverband anzuschließen, mit dem Schottland das sicherste Paukverhältnis hatte. Man erkundigte sich also beim allgemeinen Deputiertenkonvent, der späteren Deutschen Burschenschaft, kam aber zu keinem Ergebnis und kam später über ein Paukverhältnis mit dem Tübinger LC (Landsmannschafter-Convent) in Kontakt zu diesem Dachverband, der später zur Deutschen Landsmannschaft und nach dem Zweiten Weltkrieg zum Coburger Convent der Landsmannschaften und Turnerschaften an deutschen Hochschulen wurde.

Schottenhaus 1905

Das Jahr 1901 brachte zwei besonders zukunftsträchtige Entwicklungen. Erstens wurden die endgültigen Beitrittsverhandlungen mit dem LC aufgenommen, die 1902 zur Aufnahme Schottlands führten. Dazu wurde der Name von Freischlagende Verbindung Schottland in Landsmannschaft Schottland geändert und Amicitia Honos Virtus (Freundschaft Ehre Tugend) als neuer Wahlspruch angenommen. Zweitens wurde 1901 beschlossen, ein Verbindungshaus zu bauen und zu diesem Zweck wurde der Verein Schottländerhaus Tübingen von unseren Alten Herren gegründet. Bald wurde ein Grundstück auf dem Österberg gekauft und 1905 wurde das Schottenhaus feierlich eingeweiht.

Kleine Keipe 1905

Nun begann für Schottland eine wahre Blütezeit. Durch die Zugehörigkeit zum namhaften LC und noch mehr durch das neue Schottenhaus erlebte Schottland einen derartigen Zulauf, dass es die bis dahin mitgliederstärkste Zeit in der bis dahin fast 60jährigen Geschichte Schottlands war.

Der Ausbruch des ersten Weltkrieges war ein furchtbarer Wendepunkt der Geschichte und für Schottland eine wahre Katastrophe; bereits 1914 waren fast alle Aktiven zum Militär eingerückt. Im Jahre 1918, nach fast fünf Jahren Krieg, waren 32 Bundesbrüder diesem zum Opfer gefallen. Trotz allem gelang es aber, den Aktivenbetrieb in seinen Grundzügen aufrecht zu erhalten so fanden während des ganzen Krieges regelmäßig Convente statt und auch dass Band wurde von den anwesenden Schotten getragen (keine Korporation trug damals Vollcouleur mit Band und Mütze). Auch Schottlands Bundeszeitung, die Monatlichen Mitteilungen, erschien während des gesamten Krieges.

Aktive 1930

Mit dem Zwischensemester 1919 begann dann wieder der eigentliche Couleurbetrieb in Tübingen. In der Zeit zwischen den Weltkriegen waren die Aktivenzahlen Schottland durchweg hoch; so war das Sommersemester 1920 mit 44 Aktiven das mitgliederreichste in der Geschichte unserer lieben Landsmannschaft.

Ab 1933 wurde die Lage der Verbindungen immer schwieriger. Nach dem Verbot der akad. Verbindungen durch das Nazi-Regime im Jahre 1935 wurde der aktive Bund dann in die Kameradschaft Ostland zwangsumgewandelt, in der nun Studenten der ehemaligen Sängerschaft Zollern und zeitweise auch der Landsmannschaft Ulmia mit den Schotten zusammengeschlossen waren.

Auch der Zweite Weltkrieg, der 1939 ausbrach, wütete furchtbar unter den Aktiven und Alten Herren Schottlands.

Eine weitere Folge des Krieges war die Besetzung unseres Hauses in der Schwabstrasse zuerst durch das französische Militär und dann durch die südwürttembergische Forstverwaltung. In dieser Zeit standen den Schotten nur wenige Räume im Keller zur Verfügung und ein Großteil der Couleurgegenstände und des wertvollen Kneipgestühls gingen verloren.

100-jähriges Hausfest 2005

Im Wintersemester 1948/49, 100 Jahre nach der Gründung, war es endlich wieder möglich den Aktivenbetrieb aufzunehmen.

Das Schottenhaus wurde seit dem Krieg 1953 und 1991-93 zweimal erweitert und renoviert. 1986/87 war Schottland nach 1906 und 1930 zum dritten Male Präsidierende ihres Dachverbandes. Der Bund durchlebte die turbulente Nachkriegszeit, Ende der 60er diskutierte man mit dem SDS bei Sit-Ins über Hochschulpolitik, in den 70ern trug man Koteletten und häßliche Brillen. Nichts davon jedoch konnte unser Prinzip der Freunschaft und Geselligkeit erschüttern.

Die Landsmannschaft Schottland besteht nun seit fast 160 Jahren und trotz zweier Weltkriege waren wir nie gezwungen zu fusionieren oder den Bund zu suspendieren. Diese erfolgreiche Geschichte erfüllt auch heute noch jeden Schotten mit Stolz und wir werden diese Geschichte auch im 21. Jahrhundert erfolgreich weiterführen.